Allgemein Lifestyle

Instagram-Party ohne uns oder #rebellenrudis unter sich

18. Juli 2018

„Du kannst nicht dieselben Wege wie alle anderen gehen und erwarten, dass du zu neuen Orten findest.“ – selbst ausgedacht

 

Ich habe es immer und immer und immer wieder versucht: Eine Möglichkeit zu finden, Social Media für das zu nutzen, was mir wichtig ist, ohne mich dabei selbst zu verlieren. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mich einfach nicht länger selbst belügen kann. Ich habe mich ein ums andere Mal verloren. Instagram & Co. bereiten mir beinahe körperliche Schmerzen, so sehr geht mir diese virtuelle Scheinwelt auf den Keks.

Wenn ich noch einmal eine leichtbekleidete Frau gezeigt bekomme, die sich für #bodypositivity lasziv vor der Kamera rekelt, dann wird mir wohl schlecht. Wenn ich noch einmal einen selbsternannten Yoga-Guru sehen muss, der total #zen irgendwelche Yoga-Kunststücke für die Kamera vorturnt, dann wird mir wohl speiübel. Wenn mir noch einmal jemand etwas von wegen vegan und Umweltschutz erzählen will, während er gleichzeitig mit dem Flugzeug um die Welt jettet, dann werde ich wohl jemandem vor die Füße k***en müssen.

 

‚Bombing for Peace is like f***ing for Virginity’

Ich ertrage diese Widersprüchlichkeit einfach nicht mehr. Jeder postet die Bilder nur für sich und ist dann trotzdem irgendwie enttäuscht, wenn nicht so viele ‚Freunde‘ darauf reagieren. Jeder liebt sein Leben und hat doch nicht so richtig viel Zeit, es zu leben, weil er ja schließlich Bilder posten muss. Jeder möchte anderen durch seine Inhalte Mut machen, zweifelt aber hinter der Handykamera ständig an sich.

Alle wollen sie ihre Individualität ausleben und ihre persönliche Freiheit feiern, um dann ihre Feeds mit den immer selben Bildern und Inhalten zu füttern: Selfies, Foodies und Travellies. Lisa war schon mal in Australien und Nina sogar schon mal in Neuseeland. Stefanie isst Burger zum Frühstück und ist trotzdem super schlank. Sophia ist dafür mega diszipliniert, ext Proteinshakes und trainiert drei Mal am Tag. Ist aber natürlich auch super schlank. Bibis Kugel wird immer größer, während Anna Marias wieder fast weg ist. Dafür kann die jetzt schon mal gepflegt ihre Tochter vermarkten. Laura kennt sich mit Selbstliebe aus. Angelique, Viktoria, Christian und Julia übrigens auch…

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich nicht länger selbst belügen kann? Und auch keine Lust mehr dazu habe? Wir leben in einer Zeit, in der Nationen Waffen in fremde Länder liefern und sich dann wundern, warum so viel Flüchtlinge aus diesen Ländern kommen. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen mit Egoproblemen die Geschicke unseres Planten lenken, anstatt sich von einem Therapeuten helfen zu lassen. Wir leben in einer Zeit, in der es wichtiger ist, schön, erfolgreich und mächtig als ein guter Mensch zu sein, möglichst viele Abonnenten und Aufmerksamkeit als etwas zu sagen zu haben.

 

PHOTO // KERA RACHEL COOK

Nenn mich einen Idealisten

In so einer Welt will ich nicht leben. Ich möchte in einer Welt leben, in der Menschen respektvoll miteinander umgehen, egal, wie sie aussehen, welche Nationalität oder Religion sie haben, wieviel Geld sie verdienen oder eben auch nicht verdienen. In der man nicht immer nur an sich denkt, sondern sich auch mal Gedanken um andere macht, sich überlegt, welche Konsequenzen das eigene Handeln für andere haben könnte. In der man mit der Natur und den Tieren lebt, anstatt sich alles einfach nur so zu nutzen zu machen, wie man es ohne Rücksicht auf Verluste gerade braucht. Nenn mich gerne naiv oder idealistisch, aber ich glaube, dass es so eine Welt geben kann. Vielleicht nicht Morgen, vielleicht auch nicht Übermorgen. Wahrscheinlich sogar nicht einmal zu meinen Lebzeiten. Aber es geht nicht um mich. Es geht nicht um dich. Es geht um etwas viel Größeres.

Ich bin bereit, meinen Teil dazu beizutragen. Das kann ich aber nicht auf Social Media. Social Media ist viel zu schnelllebig und oberflächlich, um wirklich auf die Tiefe des Grundes zu kommen. Auf einer Plattform, auf der die Posts von vor 5 min schon Schnee von gestern sind und nur der stattfindet, der genug Input liefert, um nicht vergessen zu werden, bleibt keine Zeit dafür sich einzulassen, sondern maximal der Bruchteil einer Sekunde für einen Doppelklick oder zwei. Große Veränderung brauchen aber eben genau das nicht. Sie brauchen Zeit, Durchhaltevermögen und den Mut, neue Wege zu gehen und sich selbst hinten anzustellen.

 

Tschö mit Ö

Und genau aus diesem Grund möchte ich einen neuen Weg gehen. Ich habe mich dazu entschieden, dass ich nicht länger meine Zeit damit verbringen möchte, mein Leben und mich zu inszenieren, sondern mein Leben wieder zu leben und mich wieder zu spüren, ganz ohne den Blick der anderen. Ab heute werde ich für ein ganzes Jahr den sozialmedialen Stecker ziehen und einen großen Bogen um Instagram, Facebook und wie sie alle heißen machen. Damit mir in dem Jahr nicht langweilig wird, habe ich mir den besten Ganoven für mein Abenteuer ausgesucht, den man sich nur vorstellen kann: meinen Mann. Und wer weiß, vielleicht bleiben wir nach einem Jahr Abstinenz gleich im richtigen Leben und kommen gar nicht mehr zurück. Dann könnt ihr weiter ohne uns Party auf Instagram machen. Vielleicht inspirieren euch unsere Artikel, die wir weiterhin auf unserem Blog posten und unsere Erfahrungen aus unserem Insta freien Jahr aber auch so sehr, dass ihr selbst Bock habt auf ein bisschen weniger Internet und ein bisschen mehr ‚Hallo Welt‘.

Jetzt gehen wir erstmal bis Anfang Oktober komplett auf Tauchstation, um den Kopf ein bisschen abzukühlen (hab mich da jetzt vielleicht doch ein ganz kleines bisschen mitreißen lassen) und dann melden wir uns auf www.chooseloveblog.de wieder bei euch, um euch zu verraten, wie es weitergeht. Wir wünschen euch einen tollen Sommer. Lasst es krachen.

Tschö mit ö

KeRa & Robert

 

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